Der BVB des fran­zö­si­schen Hand­balls

09.08.2016 16:48

Schwäbische Zeitung, 2.8.2016 Autor: Andreas Wagner Handball, Sparkassen-Cup: Nantes ist erstmals beim Ehinger Turnier dabei Ehingen - Zur Geschichte des großen Ehinger Handballturniers zählen seit den frühen Jahren auch Teams aus Frankreich. Immer wieder kommen neue Namen aus dem Land des mehrmaligen Welt- und Europameisters und Olympiasiegers hinzu - so auch 2016. Der HBC Nantes hat als nunmehr siebte französische Mannschaft Premiere beim Sparkassen-Cup. Siegreich war in der fast 30-jährigen Cup-Geschichte aber erst ein Team aus Frankreich: Montpellier 2005. Der HBC Nantes war bisher nie Landesmeister und auch ein großer europäischer Titel fehlt noch, dennoch ist der Verein für Andreas Wax alles andere als zweite Wahl für das Ehinger Turnier. Der Sportliche Leiter des Ehinger Vereins zur Förderung des Handballsports, der den Sparkassen-Cup ausrichtet, nennt dafür mehrere Gründe: Nantes zählte in der vergangenen Saison zu den Spitzenteams der französischen Liga, belegte Rang drei hinter Paris Saint Germain und Saint-Raphael. International machte die Mannschaft mit dem Einzug ins Finale um den EHF-Pokal auf sich aufmerksam - dies ging allerdings gegen den Bundesligisten Frisch Auf Göppingen mit 26:32 verloren. Außerdem hat Nantes einen der besten deutschen Linksaußen der jüngeren Vergangenheit verpflichtet: Dominik Klein. Klein hatte seit 2006 für den THW Kiel gespielt, der ihm über 2016 hinaus nur noch einen Einjahresvertrag anbot - was dem gebürtigen Franken zu wenig war. "Ich hatte mir gewünscht, meine Karriere in Kiel zu beenden. Ich fühle mich noch voll im Saft und habe nicht vor, nach einem weiteren Jahr sportlich meine Segel zu streichen", hatte er im Herbst vergangenen Jahres gegenüber Kieler Journalisten gesagt. Nantes zögerte nicht und griff zu. Beim französischen Spitzenklub erhielt der 32-Jährige einen Vertrag bis 2018 mit der Option auf ein weiteres Jahr. Nun kommt Klein, der mit Kiel schon einige Male beim Turnier in Ehingen spielte, mit Nantes in die Längenfeldhalle. Große Fußstapfen Beim HBC Nantes tritt Klein in große Fußstapfen: Valero Rivera Folch verabschiedete sich und kehrte nach sechs Jahren zu seinem Heimatverein Barcelona zurück. Der Linksaußen und Sohn der Trainerlegende Valero Rivera López zählte regelmäßig zu den besten Torschützen der französischen Liga, 2015/16 traf nur der zweimalige Welthandballer Mikkel Hansen (PSG) häufiger. Nantes verlor noch einen weiteren Großen des spanischen Handballsports: Alberto Entrerrios, der seit 2012 für den HBC gespielt hatte, beendet im Alter von 39 Jahren seine Karriere als Spieler, bleibt dem Verein aber als Co-Trainer erhalten. Neben Valero Rivera und Alberto Entrerrios verließen weitere Spieler den HBC, der zur neuen Saison einen Umbruch erlebt. Hochkaräter sind unter denen, die gingen, aber auch unter denen, die kamen. Der bereits erwähnte Dominik Klein zählt dazu, aber auch der spanische Nationalspieler und Rückraumspieler Eduardo Gurbindo, der im Tausch mit Rivera vom FC Barcelona nach Frankreich wechselte. Oder Olivier Nyokas, der zum erweiterten Aufgebot der französischen Nationalmannschaft für Rio gehörte und zuletzt für den HBW Balingen-Weilstetten spielte. Der "eigentliche Star" des HBC Nantes ist aus Sicht von Andreas Wax aber nicht auf dem Spielfeld zu finden: "Thierry Anti ist eine französische Trainerlegende." Der 57-Jährige hatte Erfolge mit mehreren französischen Vereinen und wechselte 2009 von Paris nach Nantes, um aus dem damaligen Tabellenzwölften ein Spitzenteam zu formen. "Seit sieben Jahren baut er in Nantes ein Projekt auf und die Erfolge seither sind untrennbar mit seinem Namen verbunden", so Wax. Das Spiel des HBC bezeichnet Wax als typisch französisch: "technisch stark, schnell und geprägt von individueller Klasse". Trainer Anti, das attraktive Spiel sowie die guten Ergebnisse in den vergangenen Jahren sorgten dafür, dass in Nantes eine große Begeisterung herrscht. "Nantes ist ein bisschen das Borussia Dortmund des französischen Handballs", zieht Wax Parallelen zum Fußball-Bundesligisten BVB. "Nantes ist der Arbeiterverein, der die Massen zieht." Der Verein habe den größten Zuschauerschnitt der Liga, die Halle seit mit 10 000 bis 11 000 Fans "richtig voll". Zum Vergleich: Meister Paris Saint Germain hat bei Heimspielen zwischen 3000 und 5000 Zuschauer. Größte Erfolge EHF-Pokal-Finalist 2013, 2016. Gewinner des französischen Ligapokals 2015. Ligapokal-Finalist 2013. Pokalfinalist 2015.