Presseschau: Der Topfavorit, der alles in den Schatten stellt

09.08.2007 07:58

Südwest Presse, Ehinger Tagblatt, 09. August 2007

Mit dem THW Kiel eröffnet am Samstag die beste Mannschaft Europas den Schlecker-Cup. Mit internationalen Topstars besetzt, will das Team den Titel verteidigen.

BENEDIKT SIEGLER

Rien ne vas plus. Nichts geht mehr. Nein, mit Roulette hatte die vergangene Saison des THW Kiel nichts zu tun. Denn nur mit Glück legte Kiel nicht die erfolgreichste Spielzeit der Vereinsgeschichte auf den Hallenboden. Nach dem Gewinn des Meistertitels in der Liga, dem nationalen Pokal und auch noch der Champions League hieß es für den Klub und dessen geschlagene Gegner: Nichts geht mehr. Mehr Titel kann man in einem Jahr einfach nicht gewinnen. Das Spieljahr 06/07 geht in die Historie des THW Kiel ein - und das mag etwas heißen.
 
Zum dreizehnten Mal setzten sich die Norddeutschen auf nationaler Ebene gegen die Konkurrenz durch. In einem Herzschlagfinale hielt man die Kollegen aus Hamburg auf Distanz, im Pokal kämpfte die Mannschaft die SG Kronau/Östringen im Endspiel nieder. Den Höhepunkt schlechthin erlebten die Spieler von der Ostseeküste dann aber mit dem deutsch-deutschen Finale in der EHF-Champions League. Gegen Flensburg-Handewitt sicherte sich der Rekordmeister mit einem 29:27 im Rückspiel den höchsten Thron Europas. Zum ersten Mal in der 103-jährigen Vereinsgeschichte.

Mit dem THW kommt somit die momentan beste Mannschaft weltweit nach Ehingen. Elf Mal waren die Schützlinge von Erfolgstrainer Noka Serdarusic bereits beim Schlecker-Cup dabei. In diesem Jahr steht der sechste Gewinn des Pokals auf der Wunschliste. Topfavorit ist der Turnverein Hassee-Winterbek Kiel mit seinem Starteam ohnehin.
 
Bei einem Kader mit zwölf aktuellen Nationalspielern fällt es schwer, einen Namen herauszuheben. Nikola Karabatic sticht aber trotz alledem aus der Masse hervor. Der französische Rückraumspieler steht mit seinen 23 Jahren noch am Anfang seiner Karriere. Schon jetzt gilt der gebürtige Serbe als der kompletteste Handballer unter den Mitspielern. 2005 von Montpellier gekommen, ist der Rechtshänder in der abgelaufenen Saison zum besten Spieler der Bundesliga gekürt worden. Mit 342 Treffern in allen Begegnungen war er der erfolgreichste Schütze innerhalb der Mannschaft.
 
Von Erfolgslosigkeit ist Handball-Urgestein Stefan Lövgren ebenfalls nicht betroffen. Der 36 Jahre alte Schwede steht vor seiner letzten Saison als Spieler. Er ist einer von fünf Schweden im Team, die mit skandinavischer Ruhe und Strategie die Mannschaft zusammenhalten. Mit Kreisläufer Markus Ahlm, Linksaußen Henrik Lundström, Torgarant Kim Andersson und Toreverhinderer Matthias Andersson ist Lövgren auch als Dienstältester noch eine wichtige Stütze.
 
Zu der ist auch Christian Zeitz vergangenes Jahr gereift. Der Nationalspieler absolvierte gemeinsam mit WM-Kollege Dominik Klein alle 54 Pflichtspiele des Vereins. Für Tore wird Zeitz in der Längenfeldhalle aber nicht sorgen können. Er fällt nach einer Hüftoperation noch knapp einen Monat lang aus. Für den Erfolg müssen daher andere sorgen. Damit die Titelverteidigung des Schlecker-Cups nicht zum Glücksspiel wird.