Gute Mi­schung aus Rou­ti­ne und Ju­gend

09.08.2016 16:49

Schwäbische Zeitung, 9.8.16 Autor: Andreas Wagner Handball, Sparkassen-Cup: Füchse Berlin setzen in der Nachwuchsarbeit Maßstäbe Ehingen - Die Füchse Berlin sind treue Gäste in der Längenfeldhalle. Seit 2010 fehlten die Berliner nicht beim Ehinger Turnier, die Teilnahme am Sparkassen-Cup 2016 ist somit die siebte in Folge. Wie kaum ein anderer Handball-Bundesligist fördern die Füchse den eigenen Nachwuchs, aus dem auch Nationalspieler hervorgegangen sind. Zwei von ihnen, Paul Drux und Fabian Wiede, fehlen diesmal wegen Olympia beim Cup - doch die nächste Generation steht schon bereit. Unverhofft kam der Berliner Bundesligist vor sechs Jahren zum Turnier nach Ehingen. Der HSV Hamburg hatte kurzfristig abgesagt, die Füchse sprangen ein. Der Traditionsverein, bis 2005 nach ihrer Herkunft Reinickendorfer Füchse benannt, war 2007 in die höchste deutsche Spielklasse zurückgekehrt, nachdem zwei Jahre zuvor die Lizenz für die Bundesliga entzogen worden war. Nach dem Wiederaufstieg setzte sich die Aufwärtsentwicklung fort. "Die Füchse waren relativ schnell in der Spitzengruppe der Bundesliga", erinnert sich Andreas Wax, Sportlicher Leiter des Ehinger Vereins zur Förderung des Handballsports, der den Sparkassen-Cup ausrichtet. Am Ende der Saison 2010/11 - wie auch ein Jahr später - stand Berlin auf Rang drei. Seither bewegen sich die Füchse im oberen Drittel, gewannen nationale und internationale Titel. Das Projekt, wesentlich mit angeschoben von Manager Bob Hanning, hat Erfolg. "Die Berliner stehen richtig gut da", sagt Wax. "Perfektes Scouting" Dies gilt erst recht für die Nachwuchsarbeit des Vereins. Seit Jahren seien die Berliner "die Nummer eins" bei A- und B-Jugend, so Wax. "Sie betreiben ein perfektes Scouting schon bei Spielern im C-Jugend-Alter." Dabei haben die Füchse nicht nur Berlin und Umgebung im Blick - Beispiel Paul Drux: Der 21-Jährige stammt aus Gummersbach und zog 2011 in die Hauptstadt um. Immer wieder gelingt Spielern aus dem eigenen Nachwuchs der Sprung ins Bundesliga-Team der Männer. Colja Löffler (26), der wegen eines Knorpelschadens als Leistungssportler aufhören musste, war einer der Ersten, andere wie Jonas Thümmler oder Willy Weyhrauch folgten. Nicht alle setzten sich in Berlin durch, Thümmler (seit 2014 in Erlangen) oder Weyhrauch (wechselte im Sommer nach Eisenach) spielen für andere Klubs. Andere rücken nach, die Quelle sprudelt weiter. Dem aktuellen Bundesliga-Aufgebot der Füchse gehören Fynn-Ole Fritz (19) und Kevin Struck (20) an, die Wax als "Rohdiamanten" bezeichnet. "Es ist die nächste Generation der guten Spieler aus der eigenen Jugend." Die Talente lernen im Team von den Routiniers - von Silvio Heinevetter (31 Jahre), Petr Stochl (40), Hans Lindberg (35), Drago Vukovic (33) und Petar Nenadic (30), der in der vergangenen Saison Torschützenkönig der Bundesliga war. Und sie lernen von Trainer Erlingur Richardsson, der die Mannschaft 2015 nach dem Abschied von Dagur Sigurdsson, dem deutschen Bundestrainer, übernahm. Reibungslos sei der Übergang von dem einen zum anderen Trainer verlaufen, sagt Wax. "Beide sind ähnliche Typen." Sieg beim IHF-Super-Globe Auch was den Erfolg angeht, scheint Richardsson an Sigurdsson nahtlos anzuknüpfen: Schon im ersten Jahr unter dem neuen Trainer gelang Berlin ein Coup, der Bundesligist düpierte beim IHF-Super-Globe die internationale Konkurrenz und wurde Vereinsweltmeister. Größte Erfolge EHF-Pokalsieger 2015; IHF-Super-Globe-Sieger 2015; Platz 4 Champions League 2012; DHB-Pokalsieger 2014; Pokalfinalist 1984; Aufsteiger in die Bundesliga 2007.