Aus­bil­dungs­ver­ein für ganz Eu­ro­pa

09.08.2016 16:46

Schwäbische Zeitung, 30.7.2016 Autor: Andreas Wagner Handball-"Sparkassen-Cup": Zagreb verliert regelmäßig gute Spieler - Holte aber jetzt Vor zurück Ehingen - Der kroatische Serienmeister RK Zagreb zählt zu den Stammgästen beim Handballturnier um den "Sparkassen-Cup" in Ehingen. Zagreb tritt 2016 zum zwölften Mal in der Längenfeldhalle an, nur Veszprém und Kiel spielten häufiger mit. Turniersieger waren die Kroaten erst einmal und das ist lange her: 1993. Ob nach 23 Jahren der zweite Erfolg hinzukommt? Einmal mehr verlor Zagreb vor einer Saison Talente an zahlungskräftigere Klubs in Europa. Im Gegenzug kehrte diesmal ein namhafter Spieler zurück: Igor Vori. "Vori ist eine ganz große Nummer", sagt Andreas Wax, Sportlicher Leiter des Ehinger Vereins zur Förderung des Handballsports (EVFH), der das Turnier ausrichtet. Vori, Kreisläufer und 2,03 Meter groß, war mit Kroatien Weltmeister und Olympiasieger und 2009 in der engeren Auswahl zum Welthandballer des Jahres. Er stand in fast 20 Jahren als Handballprofi bei mehreren europäischen Spitzenklubs unter Vertrag: FC Barcelona (2005-2007), HSV Hamburg (2009-2013), Paris Saint-Germain (2013-2016) - spielte aber zwischendurch immer wieder für Zagreb, seinen Heimatverein. 1997, als 17-Jähriger, debütierte der in Zagreb geborene Vori für den Rukometni Klub (auf Deutsch Handballverein) in der höchsten kroatischen Liga. 2001 wechselte er erstmals ins Ausland (nach Italien), 2003 trug er wieder das Trikot von RK Zagreb - wie 2007 nach seiner Zeit in Barcelona. Nun ist er wieder in der Heimat und es dürfte seine letzte Station als Profi sein, im September wird Vori 36. Dass er aber nicht zu RK Zagreb gewechselt sei, um seine lange Karriere locker ausklingen zu lassen, stellte Igor Vori bei seinem Abschied aus Paris klar. "Ich will um Trophäen spielen und gewinnen." Ursprünglich sollte Vori noch ein Jahr für PSG spielen, doch der bis 2017 laufende Vertrag wurde aufgelöst. Gerüchten zufolge hat das mit dem Wechsel von Luka Stepancic von Zagreb nach Paris zu tun. Der Rückraumspieler sollte 2017 nach Frankreich übersiedeln, doch der Deal wurde vorgezogen und dabei spielte wohl auch die Personalie Vori eine Rolle. Mit dem 25-jährigen Rückraumspieler Stepancic, der in den vergangenen beiden Jahren auch in Ehingen als einer der besten Spieler seines Teams auffiel, verliert Zagreb wieder ein Talent, das im Verein ausgebildet wurde. Ebenfalls verabschiedete sich Torwart Filip Ivic (23), der sich dem Champions-League-Sieger Kielce anschloss. Andreas Wax hält den RK Zagreb nicht nur für die größte Talentschmiede auf dem Balkan, sondern in ganz Europa. Nur vermögen es die Kroaten nicht, ihre Besten auf Dauer zu halten. "Es ist ihr Los, dass sie immer wieder junge Spieler gewinnbringend verkaufen." Der kroatische Meister hat ein ausgeklügeltes Scoutingsystem, schon als Zehnjährige werden Talente landesweit aufgespürt. "In jedem Dorf sitzen Späher des Vereins", so Wax. Die Jugendspieler kommen ins Handballinternat, setzen alles auf den Sport, um Profi zu werden - was nur wenigen gelingt und zum Problem wird für diejenigen, die es nicht schaffen. "In Kroatien finden sie keinen anderen Verein, bei dem sie so viel verdienen, dass sie davon leben können." Der RK Zagreb ist im eigenen Land konkurrenzlos. Daher mischt der Verein seit Jahren auch in der SEHA-Liga mit, einem Wettbewerb mit Spitzenklubs aus mehreren osteuropäischen Ländern. Platz drei sprang in der vergangenen Saison heraus, den Titel holte Ungarns Meister Veszprém. In der Champions League schaltete Zagreb im Achtelfinale die Rhein-Neckar-Löwen aus, scheiterte im Viertelfinale aber an Paris. "Zagreb ist jedes Jahr unter den besten Acht in Europa", sagt Wax. Die beste Vereinsmannschaft Europas waren die Kroaten jedoch schon lange nicht mehr. "Sie können wirtschaftlich nicht mithalten." Der Abfluss an guten Spielern wird sich in den kommenden Jahren fortsetzen. "Zagreb setzt bewusst auf die Ausbildung", so Wax. Der Rückraumspieler Domagoj Pavlovic (23), der in der vergangenen Champions-League-Saison für Furore sorgte, könnte das nächste große Talent sein, das der Verein ziehen lassen muss. Kiel und Barcelona sollen an dem derzeit verletzten Nationalspieler interessiert sein. Größte Erfolge Europapokalsieger der Landesmeister: 1992, 1993. Finale Champions League: 1995, 1997, 1998, 1999. Gewinn SEHA League: 2013. Kroatischer Meister: 1989, 1991 bis 2016. Kroatischer Pokalsieger: 1991 bis 2000, 2003 bis 2016.