Kiel kennt keine Gnade

27.08.2009 17:52

Suedwest-Presse,Ehinger Tagblatt
Deutscher Meister zeigt beim Schlecker-Cup Vollgas-Handball
Der THW Kiel muss den Weggang wichtiger Akteure verkraften. Trotzdem hat sich an den Zielen für die Handball-Saison nichts geändert. In Ehingen zeigte der THW, dass auch dieses Jahr mit ihm zu rechnen ist.
Dass der THW Kiel nur ein Spieltempo kennt, dürften die Handball-Fans in der Ehinger Längenfeldhalle live bestaunen - sehr zum Leidwesen des Gegners Valladolid. Die Spanier kamen gegen den deutschen Meister und Pokalsieger mit 28:42 (12:22) unter die Räder. Das Spiel - immerhin der letztjährige Champions-League-Finalist gegen den Sieger des EHF-Cups - geriet zum Langweiler. Auch weil der Titelverteidiger des Schlecker-Cups nach gut einer Viertelstunde Spielzeit die Gegenwehr einstellte. "Valladolid hat schnell aufgegeben", sagte THW-Coach Alfred Gislason. Deshalb wollte der 40-Jährige das Ergebnis auch nicht überbewerten: "Man muss das nicht so hoch berechnen."
Dass die Kieler Handballer sich momentan im Umbruch befinden, war beim Schlecker Cup nicht zu sehen. Das Team sicherte sich duch ein 30:27 (14:17) im Finale gegen Zagreb den Turniersieg. Und das, obwohl mit Nikola Karabatic der beste Handballer der Welt den Verein nach monatelangem Wechseltheater verlassen hat. Zudem hat der Kapitän der Mannschaft, Stefan Lövgren, seine Handballschuhe an den Nagel gehängt. Zwei schwere Verluste für die "Zebras". Zwar sagt Gislason, dass Lövgren nicht allein der Kopf der Mannschaft war, räumt aber ein, dass "es einen Spieler wie ,Löwe nie wieder geben wird". Die Lücken, die die beiden Stars hinterlassen, sollen von den verbliebenen und den neuen Spielern gemeinsam geschlossen werden. "Jeder hat sein Qualitäten", erklärt der Trainer.
Sein Team sieht der Isländer auf einem guten Weg. Die Integration von Momir Ilic, der aus Gummersbach kam, und Rechtsaußen Christian Sprenger sei gut gelungen. Wobei vor allem der Neuzugang aus Magdeburg in Ehingen einen starken Eindruck hinterließ und zeigte, dass er Vid Kavticnik ersetzen kann. Überraschend war das forsche Auftreten des erst 19-jährigen Aron Palmarsson. Der junge Isländer auf Rückraum Mitte übernahm Verantwortung und erzielte im zweiten Spiel beim 35:34-Sieg gegen Veszprem wichtige Tore. "Er muss halt körperlich noch zulegen", urteilt sein Trainer über das Talent.
Die Vorsätze der Kieler für die Saison sind sich auch nach dem Verlust der wichtigen Akteure die alten: "Wir haben immer die gleichen Ziele: Im Pokal und in der Champions-League unter die letzten Vier und um die deutsche Meisterschaft spielen", stellt Gislason klar. Wobei er die Konkurrenz im Auge behält: "Hamburg und die Rhein-Neckar Löwen habe sich überragend verstärkt. Zudem ist Lemgo gefährlich, weil sie eingespielt sind. Und Flensburg darf man nicht abschreiben."