Kiel ist die Zugnummer beim Schlecker-Cup

21.08.2009 02:04

Die Handballer aus dem Norden peilen einen erneuten Turniersieg in Ehingen an
Trotz Manipulationsvorwürfen und schwerwiegenden Spielerverlusten bleibt der THW Kiel der Topfavorit beim Schlecker-Cup. Bereits sechs Mal hat der deutsche Rekordmeister den Pokal in den Norden geholt.

Ausverkauft ist die Längenfeldhalle beim Schlecker-Cup seit Jahren. Doch wenn eine bestimmte Mannschaft ihr Kommen ankündigt, ist der Ansturm auf die Tickets so groß wie nie. "Kommt der THW Kiel nach Ehingen, sind auch die Eintrittskarten nach wenigen Tagen vergriffen", weiß auch Andreax Wax, sportlicher Organisator des Turniers. Etwa zehn Tage habe es in diesem Jahr gebraucht, bis der Verkauf über das Internet gestoppt werden musste. Nachdem der deutsche Rekordmeister im letzten Jahr aufgrund terminlicher Überschneidungen zum ersten Mal seit sechs Jahren nicht teilnehmen konnte, sind die Fans des Publikumslieblings in diesem Jahr umso mehr auf die Kieler fixiert. "Sie sind unbestrittenerweise die Zugnummer beim Schlecker-Cup und sind wie immer äußerst beliebt", so Wax.
Daran haben auch die Manipulationsvorwürfe nichts geändert, die Anfang des Jahres aufgetaucht sind. So sollen die Norddeutschen seit Jahren Spiele in der Champions League manipuliert haben. Unter anderem steht das gewonnene Finale 2007 gegen Flensburg-Handewitt unter Verdacht. Von bis zu 90 000 Euro Bestechungsgeld soll nach Recherchen des Nachrichtenmagazins "Spiegel" die Rede sein. Ein abschließendes Urteil von Europas Handball-Verband EHF ist bisher nicht gefällt. "So lange nichts bewiesen ist, gilt ohnehin die Unschuldsvermutung", fügt Wax hinzu, der sich von den Gerüchten nicht hat beeindrucken lassen.
Schließlich gibt es genügend unbestrittene und sportlich erkämpfte Erfolge, die Deutschlands Handball-Aushängeschild vorzuweisen hat. So stellten die Kieler in der abgelaufenen Bundesligaspielzeit einen neuen Punkterekord auf, verloren dabei nur ein Saisonspiel und wurden souverän zum fünfzehnten Mal Deutscher Meister. In der Champions League setzten sie sich unter anderem gegen Schlecker-Cup-Teilnehmer Zagreb durch, spielten sich bis ins Finale und verloren den sicher geglaubten Sieg nach einem souveränen Hinspielerfolg gegen Ciudad Real doch noch in letzter Sekunde.
"Nach dem verpassten Sprung auf Europas höchsten Thron gibt es in dieser Saison einen Umbruch, bei dem etliche Weltklassespieler den Verein verlassen haben", erzählt Wax. Am größten wiegen die Verluste von Nikola Karabatic, aktueller kroatischer Weltmeister, und dem Slowenen Vid Kavticnik, die es gemeinsam zu Montpellier HB zog. Zudem hat das schwedische Urgestein Stevan Lövgren seine Karriere beendet. Der 38-Jährige, viermal zum besten Feldspieler des Schlecker-Cups ausgezeichnet, erzielte in seinen zehn Jahren in Kiel 1746 Treffer und wurde vor zwei Wochen mit einer großen Gala verabschiedet.
Als große Stütze präsentiert sich dagegen weiterhin Kreisläufer Marcus Ahlm, der mit dem Tschechen Filip Jicha für Tore sorgen soll. Vom VfL Gummersbach stößt zudem der Rückraumspieler Momir Ilic zum Team - drittbester Torschütze der abgelaufenen Ligaspielzeit. Zu guter Letzt hat sich der isländische Trainer Alfred Gislason auch noch die Dienste von Landsmann Aron Palmarsson gesichert. "Der 18-Jährige wird als Supertalent seines Jahrgangs gespriesen und hat bei der Junioren-WM richig abgeräumt", verrät Wax, der sich auch auf die deutschen Nationalspieler in den Kieler Reihen freut. Sowohl Christian Zeitz, Dominik Klein und Christian Sprenger sind bereits für das Team von Heiner Brand aufgelaufen. Klein und Zeitz waren bereits für die Schlecker-Cup-Triumphe 2006 und 2007 mitverantwortlich. Nach der schöpferischen Pause im vergangenen Jahr peilen die Handballer aus Deutschlands Norden nun den insgesamt siebten Turniersieg in Ehingen an.